JRB: Erzählen
Sie uns etwas über sich.
ER: Ich bin in Taschkent geboren und komme aus einer Familie von Musikern. Mein Vater ist Geiger und meine Mutter Klavierlehrerin. In unserem Haus wurde immer musiziert und ich hörte viel Musik. Ich sang auch einfache Lieder als ich noch ein kleines Mädchen war. Mein Vater schrieb sie auf und ich habe diese Notenblätter bis heute aufgehoben. Meine ersten Klavierstunden nahm ich bei Frau Sazhina als ich 5 Jahre alt war. Dann lernte ich weiter bei Frau Vasinkina, der Lehrerin des Gewinners des "Cliburn" Preises 2001, S. Ioudenitch). Beide waren in Taschkent. Später ging ich an die "Gnessin" Schule und Akademie in die Klasse von V. Tropp. 1999 zogen wir nach Deutschland, wo ich das unglaubliche Glück hatte, dass Prof. Lev Natochenny auf mich aufmerksam wurde. Er selbst war Gewinner des "Busoni" Wettbewerbs und ehemaliger Schüler von Lev Oborin am Moskauer Konservatorium. Seit 1999 nehme ich Teil an der berühmten Meisterklasse von Prof. Lev Natochenny an der Hochschule für Musik in Frankfurt am Main. Die Arbeit mit Prof. Natochenny bewirkte wirklich eine Wende in meinem Verständnis für Musik und der gefühlsmäßigen und geistigen Macht die diese transzendieren kann. Meine Muttersprache ist natürlich Russisch, und das half mir, meinen "deutschen" Professor besser zu verstehen, da er ja auch Russisch spricht. Aber in den vier Jahren, die ich jetzt in Deutschland lebe lernte ich auch Deutsch und nun habe ich fest vor, auch noch Englisch zu lernen, da ich sehe, dass dies unbedingt notwendig für mich ist.
JRB: Erzählen Sie uns bitte etwas über ihre Erfahrungen in Leeds und wie Sie sich darauf vorbereitet haben.
ER: Leeds ist nicht mein erster Wettbewerb. Ich hatte schon damals in Russland erfolgreich an Wettbewerben teilgenommen und dann, viel später, gewann ich Spitzenpreise bei den Internationalen "Città di Cantù" Wettbewerb und erreichte in dem Internationalen "Casagrande" Wettbewerb in Terni das Finale mit "Casagrande Familienpreis". Aber ich muss sagen, dass ich nirgends so eine großartige Organisation erlebt habe wie in Leeds! Ich habe wunderbare warmherzige und gastfreundliche Menschen kennen gelernt, die meine Freunde wurden. Die Instrumente uns zum Üben und auf der Bühne waren einfach phantastisch und immer in bestem Zustand und jederzeit zur Verfügung. Der Wettbewerb und die Teilnehmer lagen den Menschen wirklich am Herzen und sie nahmen uns sehr ernst. Sie litten mit uns, wenn wir verloren hatten und feierten unsere Siege mit uns gemeinsam. Eine solche moralische und praktische Unterstützung hatte ich noch nie erlebt, und ohne sie wäre es mir nie möglich gewesen, in einem so schwierigen und anstrengenden Wettbewerb zu bestehen als der in Leeds sich in diesem Jahr sich erwies. Ich war tief berührt von der Anteilnahme der Menschen, von der Warmherzigkeit und Aufmerksamkeit von Dr. Waterman, von allen freiwilligen Helfern und natürlich von den außergewöhnlichen Zuhörern in Leeds. Das war ein unvergessliches Erlebnis für mich. Was meine Vorbereitungen für den Leeds Wettbewerb betrifft, so wählte ich das viel berühmte und weltbekannte Meranofest Festival als Plattform.
Meranofest ist ein Festival und eine Sommerakademie für Höchste Spielkunst in Merano, in den Italienischen Alpen. Es ist dafür bekannt dass dort Wettbewerbsgewinner "gemacht" werden aber vor allem, und das ist das Wichtigste, dass dort eine Atmosphäre und Bedingungen herrschen, die ideal sind für kreatives Arbeiten und um sich auf internationale Wettbewerbe und Konzertengagements vorzubereiten. Ich nahm die letzen drei Sommer and der Merano Sommerakademie teil und fühlte mich dadurch gut vorbereitet für Leeds. Ich hatte die Gelegenheit, mit meinem eigenen Lehrer, Prof. Lev Natochenny zu arbeiten und konnte auch an Meisterklassen andere berühmter Musiker Teil nehmen, zum Meranofest kommen, wie z. B. S. Perticaroli, E. Indjic, A. Lubimov und viele andere. Ich konnte deren Einfluss auf mich wirken lassen und verschiedene Meinungen hören. Das war in meiner Vorbereitung für Leeds mit am wichtigsten. Der Erfolg spricht für sich selbst.
JRB: Komponieren Sie auch?
ER: Als Kind habe ich das wirklich getan und zwar ziemlich viel. Ich komponierte viele Lieder und kleine Stücke, die mein Vater immer für mich aufschrieb. Später wollte ich sogar Komponieren lernen. Aber diese Pläne konnte ich nicht verwirklichen. Statt dessen studierte ich Klavier.
JRB: Möchten Sie zum Abschluss unseres Gesprächs unseren Lesern etwas sagen?
ER: Ich möchte diese Gelegenheit der Veröffentlichung in "Classical Music" dazu benutzen, um von ganzem Herzen allen Menschen zu danken, die sich so engagiert für die Musik eingesetzt haben und im wahrsten Sinne des Wortes rund um die Uhr gearbeitet haben, damit alles so reibungslos und glatt lief, die uns nach Strich und Faden verwöhnt haben. Dieses Gefühl des umsorgt Seins ist so wichtig für jeden Teilnehmer in einer Zeit der äußersten körperlichen und seelischen Anspannung, wie bei einem solchen Weltklasse Klavierwettbewerb in Leeds. Vielen, vielen Dank an Sie alle.
Keiner von uns hätte es geschafft ohne Ihre Freundlichkeit, Ihre Hingabe und Liebe für junge Menschen und für die Musik. Ich danke Ihnen.
Herr Brown ich möchte noch hinzufügen, dass ich sehr dankbar bin für Ihre persönliche Betreuung und dafür, dass Sie an meine Fähigkeiten und mein Talent glauben. Ich werde mich bemühen, Ihren Erwartungen und den von Leeds Wettbewerb gerecht zu werden und ebenso der großen Ehre die mir dadurch zuteil wurde. |